Ottolenghi ist in der englischen Pop-Kultur angekommen: jeder scheint den Namen zu kennen; allein das ist wohl Zeichen eines riesigen Erfolges mindestens kommerzieller Natur. Aber die Anspielungen lesen sich oft nicht ganz ohne negativen Beigeschmack: Erwähnungen finden sie nicht zuletzt als Referenzen auf eine künstliche Welt, die posh und sophisticated sein mag, sicher jedoch teuer und in der Realität nahezu unerreichbar ist. Ich möchte sagen: Ganz ohne Grund ist das nicht. Viele der Rezepte brauchen sehr viele Zutaten, einige davon exotisch und schwer zu bekommen, und zeitaufwändige Arbeitsschritte, zu denen man noch dazu einige Erfahrung oder Geschicklichkeit mitbringen muss. Insbesondere die Rezepte zu Gemüsesalaten kommen erst dann richtig zur Geltung, wenn Qualität verwendet wird, die man nur auf Märkten der Mittelmeerregion zu moderaten Preisen erstehen kann; nördlich der Alpen sind die Möglichkeiten wohl oft duch Verfügbarkeit oder Budget limitiert.
Fast wider eigenen Willen und meine Prinzipien musste ich aber irgendwann erkennen: ich bin in die Falle getappt. Von den einfachen Rezepten habe ich mich in einlullen lassen. Habe mich zu einem nächsten und noch einem nächsten verführen lassen. Und nun stehen die Bücher da in meinem Regal, ganz vorne griffbereit, und gehören zu den abgenutzten Exemplaren,
Als Einstiegsdroge empfehle ich das charmante Ottolenghi und Tamimi „Jerusalem“ . Angelehnt an die Hausküchen der jüdischen und der arabischen Bewohner, zugleich aber mit vielen Referenzen auf die Kulturen aus denen sich die isrealische Kultur neu findet, gibt das Buch zugleich Heimat und Weitblick. Für Shakshuka und Mejadra muss man nicht mehr aus dem Haus gehen. „Wir könnten mal wieder Babka machen“… ein schöner Satz von der Familie.
Für den Sommer zu empfehlen, als Beilage zu fast allem:
Gurkenjogurt: Zwei grüne Gurken würfeln, schälen nur bei Bedarf, allzu wässriges Kernfleisch entfernen. Eine kleine Handvoll Minzeblätter grob hacken, eine Knoblauchzehe fein hacken. Griechischen Jogurt mit etwas Zitronensaft anrühren. Salzen, etwas Pfeffer und eine Prise Cayenne-Pfeffer beigeben. Alles miteinander vermengen und gut gekühlt servieren.

Meine Modifikationen: Cayenne-Pfeffer durch Kreuzkümmel ersetzen. Das original-Rezept verlangt getrocknete und frische Minze, die getrocknete lasse ich weg. Gehackte Frühlingszwiebeln überstreuen.

